Zeitmanagement

Letztens wurde mir mal wieder bewußt, wie wichtig eine gelungene Mischung aus “load and go” und “stay and play” sein kann – was ja nichts neues ist…

16:10 Uhr Anruf in der Leitstelle: “Hier brennt einer, kommen sie schnell!” Anfahrt mit NEF und RTW zur Firma in einen kleinen Ort im ländlichen Bereich, aus der der Anruf kam. Während der Anfahrt meldet sich die Leitstelle erneut: “Die haben nochmal angerufen, scheint was ernstes zu sein, ich habe den Hubschrauber dazu bestellt, ist auf dem Anflug.”

Ankunft am Einsatzort um 16:23 Uhr. Im Firmenhof liegt ein junger Mann, eingehüllt in eine Löschdecke, sehr blaß, ansprechbar aber müde, keine offensichtlichen Verletzungen, hält sich mit den Armen den Bauch. Die Augenbrauen und die Wimpern sind leicht versengt. Ein dabeistehender Kollege berichtet, daß eine Sauerstoffflasche “ihm um die Ohren geflogen” sei und er brennend aus der Halle kam. Außerdem “hängt da alles aus dem Bauch heraus”.

RR 110/70 mmHg, HF 70-80/min, GCS 15, Patient weiterhin ansprechbar, sagt aber, daß er sehr müde sei und uns gleich “abklappt”. Grober Bodycheck (zunächst unter Aussparung des Abdomens, unter belassen der Kleidung), keine Auffälligkeiten, leichte Verbrennungen am rechten Arm. Legen von zwei Zugängen 16G am linken Handrücken und am rechten Fuß, zügige Gabe von 1000ml HES 6%. Anlage eines Stifneck, Gabe von 25mg Ketanest und Umlagerung unter Zuhilfenahme von sechs Helfern auf die Vakuummatratze. Der weiterhin noch wache und kreislaufstabile Patient wird in den RTW verbracht.

Hier erfolgt eine kurze Untersuchung des Abdomens, wobei nach Entfernung der Kleidung am Abdomen eine etwa handflächengroße Eröffnung des mittleren Oberbauches mit Hervortreten von omentum majus, Magenanteilen und Darmschlingen und daraus konstantem, mäßigem Blutverlust auffällt. Die hervorgetretenen Organe sind stark mit Schmutz kontaminiert. Der Unterbauch ist bei Palpation weich. Desweiteren fällt eine etwa vier-handflächen-große, zweitgradige Verbrennung des rechten Ober- und Unterbauches auf, sowie eine zweitgradige Verbrennung der rechten Oberarmhinterseite. Parallel wird die Narkose eingeleitet und der Patient problemlos intubiert. Danach ist der Patient bei einem RR von 80 mmHg syst. weiterhin stabil. Bis um 16:39 Uhr sind zusätzlich 1000ml Ringer-Lactat verabreicht worden und der Hubschrauber ist eingetroffen.

Nach Übergabe an den Hubschrauberarzt wir der Patient, der inzwischen nur noch einen RR von 60 mmHg syst. aufweißt, reisefertig gemacht. Der übernehmende Arzt möchte eine restriktive Volumentherapie, so daß wir noch 2ml Akrinor verabreichen. Nach Verbringung des Patienten in den Hubschrauber folgt um 16:55 Uhr eine Flugzeit von 8 Minuten in ein Krankenhaus der Maximalversorgung.

Nachträglich wird uns berichtet, daß der Patient während des Fluges kreislaufinstabil wurde und nahezu drucklos am Zielkrankenhaus direkt in den OP verbracht wurde. Dort findet eine Notlaparotomie statt, bei der folgende Verletzungen diagnostiziert wurden: schweres Lebertrauma mit massiver Blutung, Zerreißung des Pancreas, Perforationen an Magen und Darm. Die Leber wurde zunächst “eingeschweißt” um den diffusen Blutverlust zu minimieren und die anderen Verletzungen provisorisch versorgt. Ein etwa 12 cm langes Stück Metallrohr wurde aus dem Bauchraum entfernt. Der Patient wird auf die Intensivstation verbracht, wo er bis zum nächsten Tag mit etwas 70 Blutkonserven weitestgehend kreislaufstabil gehalten wird und die Gerrinungsparameter normalisiert werden – eine Folgeoperation war bis dahin noch nicht möglich.

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Fazit: Durch zügige und gute Zusammenarbeit mit allen Einsatzkräften konnte ein schwerstverletzter Patient in 16 Minuten mit zwei großen Zugängen, 2000ml Flüssigkeitssubstitution und Narkose an den Hubschrauber übergeben werden. Weniger als 60 Minuten nach Anruf war der Patient in einem OP der Maximalversorgung angekommen. Auch ein Lob an die Leitstelle, die frühzeitig den Hubschrauber dazubestellt hat, da ein Nachfordern hier ein sehr großer Zeitverlust gewesen wäre. Unsereserachtens hat der Patient in diesem Fall die bestmögliche Versorgung erhalten (hierzu gerne auch andere Meinungen…). Hoffentlich wird es auch sekundär ein erfolgreiches Ergebnis. Außerdem natürlich vielen Dank an alle Beteiligten, für die gute Zusammenarbeit!

NACHTRAG: Habe vor kurzem nochmal nachgefragt, der junge Mann hat es leider nicht geschafft…

Damit hatte keiner gerechnet!

lonesome stretcherDer Rettungsdienst und die damit verbundenen Einsätze stecken voller Überraschungen. Einige von ihnen gefährden die Patienten oder Mitarbeiter des RD nicht unerheblich. Es scheint durchaus sinnvoll sich mit der Einen oder Anderen Situation noch einmal reflexiv auseinander zu setzen um Fehler und Unachtsamkeiten in späteren Einsätzen zu vermeiden.

Bevor ein Patient zu Schaden kommt, gehen in der Regel menschlich verursachte kritische Zwischenfälle, sogenannte „Critical Incidents“, dem Schadensereignis voraus. Um das Risiko eines Patienten für ein Schadensereignis zu reduzieren, müssen Critical Incidents in ihrer absoluten Häufigkeit bei bestimmten Abläufen von Diagnostik und Therapie minimiert werden. Die Zahl der auftretenden Critical Incidents kann nur dann minimiert werden, wenn diese auch als solche bekannt sind. Daher steht zu Beginn eines Qualitäts- bzw. Risikomanagements die Erfassung der für die Patientenschädigungen ursächlichen typischen Critical Incidents.

Das CIRS-Notfallmedizin (Critical Incident Reporting System) hat es sich zur Aufgabe gemacht die diese Ereignisse zu sammeln und zu kommentieren. Auf diesem Weg stehen die Beispiele auch für eine individuelle Reflexion durch Rettungsdienstpersonal zur Verfügung.

Man merkt schnell, dass man nicht der einzige ist dem mal Fehler unterlaufen und außerdem wird deutlich, das sich diese Fehler häufig vermeiden lassen, wenn man Regularien und Disziplin wahrt.

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Gerade gefunden bei der Bloggerspritze.

Man müsste mal überlegen wie ein Pendant für Internisten, Anästhesisten, Neurologen und Psychiater aussehen könnte…

Wir haben sie kurz wiederbelebt…

Vorhin waren wir bei einer Patientin. Sie war verwirrt, das war nicht neu. Ansonsten ging es ihr gut. Die Angehörigen berichteten das die Patientin am Nachmittag auf der Straße zusammengebrochen war. “Geistesgegenwärtig” habe man sie zwei mal beatmet und etwas auf den Brustkorb geklopft.

“Dann war Mutti(ca. 70 Jahre alt) wieder da und wir sind nach Hause gegangen.”

Kleiner Tipp für’s nächste Mal: direkt den Rettungsdienst anrufen und nicht bis spät am Abend warten…

So schön kann das Leben(-sende) sein!

Moin Leute,

heute durfte ich wieder mal was nettes erleben.

Unser Melder ging für eine KTW Einweisung in der Stadt. Wir also los und wollten besagte Dame abholen.
Vor Ort ist der Pflegedienst, sagt uns das Frau X 94 Jahre ist und ne Lungenentzündung hat, und sie würde die Dame noch schnell fertig waschen und anziehen. Der Hausarzt war heute morgen da und hat sie eingewiesen. Gar kein Problem sagten wir, wir holen dann schon mal die Trage. Inzwischen war dann auch der Sohn eingetroffen, kurz geschnackt und dann wieder rein. Als wir wieder bei der Patientin waren saß diese aufrecht im Bett, und die Pflegekraft sagte zu Ihr: “Atmen, sie müssen atmen Frau X” Alles klar, lassen sie uns mal. Wir haben dann Frau X ins Bett gelegt und sagten zu dem Sohn, er solle mal zu seiner Mutter gehen und sich verabschieden, denn sie liegt im sterben.

Notarzt dazu geholt, Tod festgestellt, alle glücklich. Wäre doch nur jedem ein so friedlicher Tod mit 94 Jahren gegönnt!